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Diagnostik

Im Rahmen einer gezielten Untersuchung bei Verdacht oder bestehendem grünen Star werden in der Regel nach der Befragung zur Vorgeschichte (Anamnese) die Sehschärfe und die vorderen Augenstrukturen mit Hilfe der Spaltlampe untersucht. Hier wird der Augenarzt ganz besonders auf die Tiefe der vorderen Augenkammer, die Vorwölbung der Augenlinse oder Veränderungen der Regenbogenhaut (Iris) achten.

Untersuchung des Kammerwinkels (Gonioskopie): Nach Betäubung der Augenoberfläche mit einem Betäubungstropfen wird ein spezielles Kontaktglas, welches durch Spiegel den Einblick in den Kammerwinkel ermöglicht, auf die Hornhaut gesetzt. Jetzt können die für die Erkrankung wichtigen Strukturen beurteilt werden:

  • Kammerwinkel offen : Offenwinkelglaukom
  • Kammerwinkel verschlossen : Winkelblockglaukom
  • Kammerwinkel verengt : Gefahr eines akuten Winkelblockglaukoms
  • Kammerwinkel durch Blutgefäße verschlossen : Sekundärer grüner Star durch neu gebildete Gefäße (z. B. bei Zuckerkranken).

Messung des Augeninnendruckes:

Applanationstonometrie: Dieses ist die heute übliche Meßmethode. Der Patient sitzt an der Spaltlampe, nach Betäubung der Augenoberfläche und Anfärbung des Tränenfilmes mit Fluoreszeinfarbstoff wird ein Messkörper bei geöffneten Augenlidern auf die Hornhaut geführt und eine entsprechende Fläche durch Andrücken des Messkörpers gemessen, die einem Augendruck entspricht. Harte Augen (hoher Druck) ergeben eine kleine Fläche, weiche Augen (niedriger Druck) ergeben eine große Fläche. Diese Untersuchung ist schmerzfrei. Druckwerte sind individuell sehr verschieden, Werte über 22 mm Hg (Quecksilbersäule) gelten als verdächtig. Da der Augeninnendruck für die Diagnose des grünen Stars nur ein Baustein darstellt, werden weitere Untersuchungen nötig sein.

Dabei wird ein definierter Luftstoß gegen die Hornhaut gerichtet und die Verformung der Hornhaut gemessen. Daraus wird dann der Augendruck abgeleitet.
Tagesdruckkurve: Bei grünem Star ist eine Einzelmessung selten aussagekräftig. Deshalb wird oftmals der Augeninnendruck über 24 Stunden gemessen, um Schwankungen vor oder während der Therapie zu erkennen. Hohe Druckwerte können häufig nachts oder in den frühen Morgenstunden auftreten (gerade dann, wenn der Blutdruck recht niedrig ist).
Mittlerweile gibt es auch Geräte, mit denen der Patient mehrfach über Tag selbst seinen Augendruck misst (Selbsttonometer; noch nicht weit verbreitet).
Die Druckmessungen sollten in einem Heft (Glaucompass) dokumentiert werden. Der Druckverlauf ist wichtig für therapeutische Entscheidungen des Augenarztes oder der Augenklinik.

Der Sehnervenkopf (Papilla nervi optici) ist für die Diagnostik und den Verlauf des grünen Stars von besonderer Bedeutung. An dieser Stelle verlassen unsere Netzhautfasern die schützende Augenhülle (Skleradurchtritt), so dass ein erhöhter Augeninnendruck hier in dem empfindlichen Gewebe eine Vertiefung (Exkavation) mit Schädigung der Nervenfasern bewirken kann. Zwar gibt es derartige Vertiefungen auch bei Gesunden, allerdings lassen große Vertiefungen Drucksteigerung vermuten. Wird die Vertiefung, die durch Zeichnung, Fotografie oder Spezialgeräte dokumentiert werden kann, unter augenärztlicher Beobachtung größer, dann muss der Ursache (u. a. mangelhaft regulierter Augeninnendruck, schlechte Durchblutung) nachgegangen werden.

Eine Gesichtsfelduntersuchung prüft die Wahrnehmung eines Auges bei Geradeausblick. Damit werden Schädigungen der Nervenfasern bis hin zur Sehrinde erfasst. Beim grünen Star möchte man möglichst frühzeitig Ausfälle erfassen, da Schädigungen der Nervenfasern nicht rückgängig gemacht werden können. Von großer Bedeutung ist der Verlauf der Gesichtsfeldveränderungen über die Zeit, da davon Entscheidungen über medikamentöse oder operative Therapie abhängen können. Unbehandelt schreiten Gesichtsfeldausfälle bei grünem Star fort, bis Erblindung eintritt.
Es gibt verschiedene Prüfmethoden, eine statische und eine kinetische Perimetrie. Im Prinzip besteht die Untersuchung darin, dem Patienten in einem definierten Adaptationszustand (Anpassung des Auges an eine definierte Umfeldbeleuchtung) und bestimmter Umfeldhelligkeit in einer Halbkugel Lichtmarken anzubieten, die er bei Geradeausblick wahrnimmt. Durch Knopfdruck wird der Patient das Erkennen signalisieren, und der Untersucher oder der eingebaute Computer die Befunde registrieren.

Wir wissen, dass nicht nur die Höhe des Augeninnendruckes, sondern auch die Durchblutungssituation – insbesondere im Bereiche des Sehnervenkopfes – des Patienten von entscheidender Bedeutung für die Gesichtsfeldschäden durch grünen Star sind. Ältere und gefäßkranke Menschen werden stärker auf Augendruckerhöhung reagieren als junge und gefäßgesunde.
Deshalb kann es im Einzelfalle sinnvoll sein, auch eine 24-Stunden Blutdruckmessung durchführen zu lassen.

Bei Verdacht auf angeborenen grünen Star werden beim Säugling oder Kleinkind einige der obigen Untersuchungen in Narkose durchgeführt. Beim kindlichen Auge kann der Augendruck zu einer Vergrößerung des Augapfels führen. Deshalb wird mit Hilfe einer harmlosen Ultraschalluntersuchung die Länge des Augapfels gemessen und festgestellt, ob die Augapfellänge deutlich über der Norm liegt. In diesem Falle liegt neben Augendruckerhöhung und Kammerwinkelveränderungen ein weiterer Hinweis für angeborenen grünen Star vor.

Produktabbildung

Sehnervenkopf mit großer zentraler Vertiefung (Exkavation)