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Netzhautablösung (Ablatio oder Amotio retinae)

Ursache: Vorläufer von Netzhautablösung sind oftmals degenerative Veränderungen in der Netzhautperipherie (am sog. Äquator oder dahinter), die als Zeichen des Alterungsprozesses der Netzhaut angesehen werden. Bei Normalsichtigen entwickeln sich diese Veränderungen jenseits des 45. Lebensjahres. Bei Kurzsichtigen können sie allerdings schon wesentlich früher auftreten. Diese Veränderungen entwickeln sich über Jahre und stehen nicht selten in Verbindung mit einem krankhaft veränderten Glaskörper. Zu den Vorstufen einer Netzhautablösung zählen u. a. Gitterlinien oder Netzhautlöcher. Zur Netzhautablösung kommt es, wenn der Glaskörper die Netzhaut von der Unterlage abzieht oder Flüssigkeit in ein Netzhautloch dringt und so die Netzhaut vom sog. Pigmentblatt abhebt.
Man unterscheidet eine lochbedingte (rhegmatogene) Netzhautablösung (derartige Löcher entstehen in peripheren Degenerationen) von einer nicht lochbedingten Netzhautablösung ( bei Entzündung, nach Verletzung oder Blutungen im Glaskörper mit sekundärem Narbenzug, sog proliferierende Vitreoretinopathie ).

Symptome: Warnsymptome sind bei peripheren Netzhautdegenerationen selten. Hier hilft nur vorbeugende augenärztliche Untersuchung der Netzhautperipherie.
Treten allerdings dunkle Flocken oder sog. Mückenschwärme (mouches volantes) - evtl. in Verbindung mit Lichtblitzen - auf, so sollte umgehend eine augenärztliche Untersuchung erfolgen. Wird sogar eine dunkle Wand im Gesichtsfeld bemerkt, ist Gefahr im Verzug.

Diagnostik: Der Augenarzt wird Sehschärfe, Augeninnendruck und die vorderen Augenabschnitte mit Hilfe der Spaltlampe untersuchen. Nach Erweiterung der Pupille wird mit Hilfe eines Kontaktglases, welches nach Betäubung auf die Augenoberfläche aufgesetzt wird, der Glaskörper und die Netzhaut nach Veränderungen untersucht. Falls eine Blutung den Einblick in das Augeninnere verhindern sollte, wird eine Ultraschalluntersuchung des Auges notwendig.

Therapie: Die Behandlung richtet sich nach dem Ausmaß der Veränderungen.
Liegen lediglich Lochvorstufen in der Netzhautperipherie oder ein isoliertes Netzhautloch ohne Netzhautablösung vor, wird mit Hilfe einer Laserkoagulation die degenerative Veränderung durch eine künstliche Entzündungsreaktion auf der Unterlage (Pigmentblatt-Aderhaut) "verschweißt".

Dazu wird wie bei der Diagnostik ein Kontaktglas nach Betäubung auf die Augenoberfläche aufgesetzt und so über Spiegel der Laserstahl auf die Umgebung der erkrankten Region gelenkt. Die Therapie ist in der Regel schmerzfrei, lediglich ein Stechen oder ein Druck können empfunden werden. Diese Lasereffekte müssen nun in 8 - 14 Tagen vernarben. Leider ist auch diese Therapie nicht völlig nebenwirkungsfrei. Deshalb wird der Augenarzt Kontrollen durchführen. Selten können u. a. Blutung oder Netzhaut-Glaskörperschrumpfung mit Netzhautablösung entstehen.
Liegt eine lochbedingte Netzhautablösung vor, so wird mit Hilfe diverser operativer Techniken das Loch verschlossen.

Derartige Operationen werden in örtlicher Betäubung oder in Vollnarkose durchgeführt. Da man eine Netzhaut nicht nähen kann, und die abgehobene Netzhaut wieder auf ihrer Unterlage (Lochverschluss) verankert werden muss, wird durch Aufnähung eines elastischen Kunststoffes (Plomben) genau auf der Außenseite des Loches die äußere Augenhülle (Lederhaut-Aderhaut) an die Netzhaut herangeführt, so dass die Strukturen zusammen vernarben können. Es gibt isolierte Plomben bei Einzellöchern oder Gürtelplomben (Cerclage) bei Mehrfachlöchern.
Läßt sich die Netzhaut auf Dauer nicht anlegen und / oder liegen bereits Strangbildungen im Glaskörper und / oder der Netzhaut selbst vor (proliferierende Vitreoretinopathie), so werden in aufwändigen Operationsverfahren Glaskörperstränge entfernt (Vitrektomie) und ggf. die in Falten liegende Netzhaut durch Auffüllung eines Gases oder Öles auf die Unterlage gedrückt.

Nach derartigen Operationen wird in der Regel ein Verband mit antibiotischer und kortisonhaltiger Augensalbe auf das Auge aufgebracht. Körperliche Schonung ist in den ersten Tagen sinnvoll. Bei Gas- oder Ölanwendung können spezielle Körperlagen nötig sein, damit die Gas- oder Ölblase die abgehobene Netzhaut auf die Unterlage drücken kann.
Die Netzhaut - Glaskörperregion stellt ein sehr empfindliches und kompliziertes System dar. Deshalb sind Mehrfachoperationen bei fortgeschrittenen Veränderungen leider nicht ganz selten. Aus diesem Grunde sollte bei jeder unklaren oder geänderten Symptomatik (siehe oben) die Netzhaut durch einen Augenarzt kontrolliert werden.

Oben: Peripheres Netzhautloch, mit Laserkoagulation (weißliche Bezirke) umstellt.

Mitte: Abgelöste Netzhaut (untere Bildhälfte)

Unten: links oben Verschluß des Loches mit Kältestift (Kryokoagulation), rechts oben Einfüllen einer Gasblase, um die Netzhaut auf die Unterlage zu drücken (links unten). Rechts unten nach Resorption der Blase liegen Loch und Netzhaut an. (Kansky)