Antibiotikabehandlung
Sehr geehrter Herr Professor !
Sie haben bei mir aufgrund meiner geschilderten Symptomatik (trockenes Auge, ständige Lidrandentzündungen, Brennen, etc.) eine Meibomdysfunktion vermutet. Ich möchte Ihnen dankenswerterweise mitteilen, dass nunmehr dieser Verdacht erstmals durch einen 5. Facharzt diagnostiziert wurde (die vorherigen vier Fachärzte haben in Richtung Meibomdysfunktion - ich habe dieses Thema selbst angesprochen - keinerlei Aussagen bzw. Befundungen getätigt und eigentlich zu diesem Thema nur geschwiegen). Ich kam zu diesem "5. Arzt" deshalb, weil ich am Oberlid des linken Auges im Außenwinkelbereich eine "Verhärtung" bzw. "Schwellung" bemerkte (eher gegen den Lidrand hin - es war von außen eine Rötung mit einem "Pünktchen" zu sehen bzw. schmerzte dieser Bereich). Am nächsten Tag waren (ohne Behandlung) in der Früh die Schmerzen (Schwellung, Rötung) fast vollständig weg und ich bemerkte in den Wimpern gelbliche Verkrustungen. Ich begab mich aber dennoch in eine Augenambulanz und wollte für mich Klarheit haben. Obwohl offensichtlich die Beschwerden fast völlig abgeklungen waren, meinte dieser 5. Arzt, dass man noch eindeutig sehe, dass die Meibomdrüsen in diesem Bereich verstopft wären und er dies eindeutig (per Spaltlampe ?) sehen könne. Er verordnete mir das Antibiotikum Refobacin (2 x täglich beidseits - wie lange sagte er nicht (lt. Beipacktext max. 2-3 Wochen) ??? Ich konnte aber diese Salbe nicht in mein Auge geben bzw. dieses Medikament daher nicht anwenden (es liegt natürlich an mir persönlich). Seither sind acht Tage vergangen und ich habe gestern eine Rötung des Unterlides (wieder des linken Auges) bemerkt. Die Schmerzen, welche ich nicht gut beschreiben kann, halten sich in Grenzen. Insbesondere beim Lidschlag bemerke ich verstärkt ein "komisches Gefühl" (Fremdkörpergefühl durch Berührungsdruck; jedoch kein Brennen oder Stechen oder Ähnliches).
Soweit die Vorgeschichte - nun zu meinen Fragen (2 Hauptfragen):
Hauptfrage 1:
Ist die Diagnose Meibomdysfunktion vom Arzt immer nur dann stellbar, wenn er - wie zuletzt - eindeutig verstopfte Drüsengänge erkennt und der Patient auch Symptome hat oder müßte der Drüsenzustand schon Wochen oder Monate vorher (auch ohne Patientensymptome) auch schon für eine Diagnose reichen ?
Hauptfrage 2:
Könnte nunmehr diese Unterlidrötung von der Meibomdrüsendysfunktion vor acht Tagen des Oberlides ausgelöst worden sein ?
Für mich wichtige "Nebenfragen" zu Punkt 2: ich weiß, dass diese Fragen auch der behandelnde Arzt beantworten sollte, doch ist dies leider in der Praxis nicht möglich - sie sind wirklich die einzige fachliche Hilfe der (fachbewußten) Patienten - es reichen wirklich ganz kurze Antworten):
a) Muss in jedem Fall (egal ob Meibomdrüse verstopft oder entzunden oder Lidrötung) auch immer eine prophylaktische anschließende Behandlung (um etwa Folgeerkrankungen wie Orbitaphlegmonen, etc. auszuschließen) mit Antibiotika erfolgen, auch wenn die Grunderkrankungen in der Regel nicht bakteriologisch bedingt sind (führen "normale" Entzündungen immer in der Folge auch zu "bakteriellen" Entzündungen) ?
b) muss bei der Wahl des Antibiotikums auch darauf geachtet werden, dass dieses auch "meibomdrüsenmodulierende" Eigenschaften hat ?
c) Wie lange anwenden ? Im Beipacktext ist immer zu lesen: "solange, bis der bakterielle Befund aufrecht ist". Dies stellt ja in der Praxis niemand fest !
d) Ist es förderlich, wenn man die Salbe oder auch die Tropfen zusätzlich auch auf den betroffenen Außenbereich des Lides aufträgt ?
e) Darf man die Augen dennoch mit lauwarmem Wasser waschen (Keimvermehrung) ?
f) Müssen immer beide Augen behandelt werden, auch wenn nur ein Auge Symptome zeigt (ev. bzgl. Keimübertragung) ?
g) trockene Wärem (z.B.Infrarotlampe) hilfreich ?
h) Gibt es hier nur antibiotische Salben oder helfen hier auch Tropfen gleichwertig bzw. welche Art von Antibiotika helfen hier (z.B. Wirkstoffe Fusidinsäure oder Gentamicinsulfat oder andere) ?
Danke Ihnen persönlich für Ihre Bemühungen !
DANKE ! DANKE ! DANKE !
1.Antwort:
Antibiotikabehandlung
Sehr geehrter Herr Seidl,
auch wenn ich Ihren klinischen Befund nicht kenne, so vermute ich, daß bei Ihnen ein Hagelkorn (Chalazion) am Oberlid vorgelegen hat (derartige Verdickungen sind chronische Veränderungen bei Blockade der Ausführungsgänge einer Meibomdrüse). Diese Veränderung bildet sich oftmals spontan zurück und bedarf eigentlich keiner antibiotischen Therapie. Eine operative Beseitigung ist selten nötig.
Ob gleichzeitig eine Meibomdrüsendysfunktion vorliegt, kann ich nicht beurteilen, es ist denkbar.
Ich werde versuchen, die vielen Fragen zu beantworten:
1. Die Diagnose einer Meibomdrüsen-Dysfunktion ergibt sich aus dem Beschwerdebild in Verbindung mit der klinischen Situation der Lidkante, u. a. auch bei verstopften Meibomdrüsen.
2. Ober- und Unterlid besitzen Meibomdrüsen. Diese können überall verändert sein.
a) eine Meibomdrüsendysfunktion (MDD) wird nicht grundsätzlich mit Antibiotika behandelt. Keime sind hier selten.
b) Es gibt spezielle Antibiotika, die das nicht optimale Fett bei MDD verbessern, aber sie werden dann nicht zur Bekämpfung von Keimen eingesetzt.
c) Die fettmodulierenden systemischen Antibiotika werden- wenn sie ergänzend zu der Basisbehandlung nötig sind - mindestens 6-8 Wochen genutzt.
Lokales Refobacin gehört nicht zu diesen speziellen Antibiotika.
d) Das hängt von der Klinik ab. Ich kenne Ihren Befund nicht.
e) Warme Kompressen und Lidrandreinigung sind Basistherapie einer MDD.
f) Eine wirkliche MDD ist selten einseitig.
g) Kann man bei MDD auch durchführen.
Diese Infrarotbehandlung ist eher bei einem Gerstenkorn, einem wirklich keimbedingten Entzündungsprozess von Mollschen- oder Meibomdrüsen, früher üblich gewesen. Bei Gerstenkorn (Hordeolum externum oder internum) sind Antibiotika sinnvoll, weil keimbedingt.
h) diese Frage bezieht sich auf Ihre Lidrandverdickung, hier werden üblicherweise Salben genutzt. Man zieht das Unterlid etwas vom Auge ab, bringt den Salbenstrang auf das Innere des Unterlides, schließt das Auge sanft, so daß sich die Salbe auf dem Auge und so auch unter dem Oberlid und auf den Lidkanten verteilt.
Alles Gute.

